Die Geschichte unserer Station

Am 23. März 1890 fassten vier Frauen und 13 Männer einen Beschluss, dessen Auswirkung sie höchstwahrscheinlich nicht überschauen konnten: Sie gründeten den „Local-Alice-Frauen-Verein zur Pflege der Kranken in den Häusern des Ortes [Bad Vilbel]“. Oder anders ausgedrückt: Es war die Geburtstunde unserer Diakoniestation. Der Name mag sich über die Jahrzehnte hinweg immer wieder geändert haben. Die eigentliche Aufgabe, nämlich hilfsbedürftigen Menschen zu helfen, jedoch nicht. Sie hat sich nur dem jeweiligen Zeitgeist angepasst. Die Notwendigkeit zur Gründung des Vereins ist übrigens auf eine schwere Typhus Epidemie zurückzuführen, die 1887 in ganz Vilbel wütete.

 

In den Anfangsjahren kümmerten sich Diakonissen bzw. Gemeindeschwestern um kranke Menschen in Vilbel und Umgebung sowie im heute nicht mehr vorhandenen Vilbeler Kreiskrankenhaus. Gerade während des 2. Weltkriegs war die Arbeit für den Verein jedoch alles andere als einfach. Stellte sich dieser doch gegen die „Gleichschaltung“, um seine Arbeit unbehelligt fortsetzen zu können. Ein wichtiger Schritt dazu wurde bereits zuvor gelegt: 1930 beschloss der Verein, dass er Gemeindeschwestern selber anstellte, und nicht wie bisher vom Darmstädter Elisabethenstift gestellt bekam. So konnte verhindert werden, dass sich „braune Schwestern“ in den Verein „einschleusten“. Zudem trat eine neue Vereinssatzung in Kraft und der Name des Vereins änderte sich in „Verein für evangelische Krankenpflege und Gemeindepflege in Vilbel“.

 

1958 zeigte ein Zeitungsbericht, dass die Bemühungen des Vereins allen hilfsbedürftigen Menschen in Vilbel gerecht zu werden Früchte trugen: „Zwei Schwestern machten 15.000 Krankenbesuche“ lautete der Titel. Ab 1975 weitete der Verein sein Aufgabengebiet aus. Ohne Kenntnisse und ohne Vorbilder wurde eine Haus- und Familienpflegestation eröffnet. Da es immer wieder Familien mit Kleinkindern gab, in denen die Mutter durch Krankheit „ausfiel“, mussten viele der Sprösslinge in Heime geschickt werden. Ein Zustand, den der Verein ändern wollte. Und dabei sollte es nicht bleiben. So wurde der Verein auch in der „Kindererziehung vor Ort“ eingespannt - im Flüchtlingslager Schönbeck-Büdesheim. 1979 entstand ein Kindergarten, der schnell einen „Nachfolger“ bekam. Denn das hessische Sozialministerium bat den Verein auch in Schwalbach solch einen Kindergarten für Asylsuchende zu errichten.

 

Ende der 70er Jahre kamen weitere Herausforderungen auf den Verein zu, als die Pflege zum Teil mit den Krankenkassen abgerechnet werden konnte. Natürlich war dies für alle ein Vorteil, der jedoch viel Verwaltungsarbeit mit sich brachte. 1986 mussten deshalb eine Verwaltungskraft und eine Kassenführerin eingestellt werden. Und noch mehr änderte sich: Die Arbeit wurde immer mehr von freien Schwestern geleistet, die Zeit der Diakonissen näherte sich langsam dem Ende. Mit Einführung der Pflegeversicherung im Jahre 1995 erhöhte sich der Verwaltungsaufwand erneut – gerade die Dokumentation nahm und nimmt noch heute viel Zeit in Anspruch. Es folgten weitere Namensänderungen und Umzüge in neue Räumlichkeiten. Doch trotz aller Schwierigkeiten, aller Hürden, die es zu meistern galt, hat unsere Diakoniestation die Jahrzehnte überdauert. Und auch in Zukunft werden wir weiterhin, ganz im Geiste unserer Gründer, alles daransetzen, dass wir hilfsbedürftigen Menschen in Bad Vilbel und Umgebung helfen.

 

Seit 2017 tun wir dies übrigens unter der Trägerschaft der Gesellschaft für Diakonie- und Sozialstationen (GfDS). Den Verein, der damals alles ins Rollen brachte, gibt es selbstverständlich immer noch. Unter dem Namen „Evangelischer Förderverein für Kranken- und Gemeindepflege“ unterstützt er unsere Arbeit maßgeblich.